Hier finden Sie von unseren Expertenteams zusammengestellte Informationen zu aktuellen Studien – harte Fakten statt „Fake-News“

Empfehlungen der Fachgesellschaften für Personen mit chronischen Erkrankungen

Empfehlungen der Fachgesellchaften bzgl Covid19

Päd. Gastroenterologie

GPGE (Verfasser PD Dr. Prosovsky Ulm, Stand 15.3.20)

Bzgl gastrointestinaler/hepatologischer Grunderkrankung:

  • Bei COVID-19 selten auch gastrointestinale Sy und Transaminasen/Bilirubinerhöhung
  • Bislang keine Evidenz, dass Infektion einen Schub der Leber-oder Darmerkrankung auslösen

Bzgl Immunsuooressiver Medikation:

Ohne Infektion:

  • Kinder-und Jgdl unter immunsuppressiver Therapie scheinen kein per se sehr hohes Risiko für einen schweren Verlauf zu haben, individuelles Risiko einzeln abzuschätzen
  • Keine Evidenz ,dass es vorteilhaft ist immunosuppressive Therapie zu pausieren

Bei Infektion ohne Symptomatik: RS Kindergastroenterologenüber Fortsetzen der Therapie
Bei Infektionen mit Symptomatik: stationäre Aufnahme, ggf Therapiemodifikation

 

Neuropädiatrie

Es gibt aktuell keine Daten, die einen Zusammenhang mit Covid 19 –Infektion und Anfällen / Epilepsie herstellen. Nach allgemeinem Wissen in der Epileptologie kann folgendes abgeleitet werden:

Gibt es spezielle Risiken bei Epilepsie im Zusammenhang mit einer Erkrankung an Covid 19?

  1. Epilepsie ist zwar eine chronische neurologische Erkrankung, Menschen mit Epilepsie weisen aber kein erhöhtes Infektionsrisiko und auch kein erhöhtes Risiko für einen schwerwiegenden Verlauf der Infektion mit Covid 19 auf.
  2. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Einnahme von Epilepsie-Medikamenten das Risiko erhöht oder die Behandlung erschwert. Ausnahme könnten seltene Behandlungsmethoden darstellen, die zu einer Immunsuppression führen (z. B. Therapie mit Steroiden, ACTH, Everolimus).

Welchen Einfluss kann die Infektion auf die Epilepsie haben?

  1. Wie bei jedem fieberhaften Infekt kann das Auftreten von Anfällen bei Vorliegen einer Epilepsie durch den Infekt oder das Fieber getriggert werden, wenn dafür eine Anfälligkeit besteht (unabhängig vom Erreger).
  2. Bei schwerer Erkrankung kann die Einnahme der Medikamente erschwert sein. Dies kann zu Spiegelschwankungen und dadurch zu einer erhöhten Anfallsbereitschaft führen.

Kann es Probleme im Rahmen einer Pandemie-Situation geben?

  1. Wie bei anderen Medikamentengruppen auch, könnte es im Rahmen der Pandemie bzw. der damit verbundenen Maßnahmen der unterschiedlichen Staaten zu Lieferproblemen kommen. Patienten sollten daher darauf achten, rechtzeitig neue Rezepte und Medikamente zu besorgen.
  2. Prinzipiell wird bei Epilepsie-Medikamenten nach wie vor empfohlen, Wechsel von Präparaten verschiedener Hersteller zu vermeiden. Neuere Studien zeigen allerdings, dass die Auswirkungen geringer sind, als lange Zeit angenommen. Sollte ein Präparat einer bestimmten Firma nicht lieferbarsein, ist es besser, auf ein Präparat einer anderen Firma, aber mit gleichem Wirkstoff umzustellen, als das Medikament zu pausieren oder den Wirkstoff kurzfristig zu wechseln. Nach Möglichkeit sollte eine ähnliche Galenik (Verfügbarkeit) gewählt werden, also z. B. bei Einstellung auf ein Retard-Präparat sollte nach Möglichkeit auch ein Retard-Präparat der anderen Firma gewählt werden etc.

Quelle: Empfehlungen / Stellungnahmen internationaler Epilepsie-Vereinigungen.

 

Päd. Pneumologie:

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. vom 16. März 20

„Lungenexperten raten: Therapie mit inhalierbaren Steroiden (ICS) unverändert fortführen.

Die deutschen Asthma-Spezialisten empfehlen, bei Kindern und Erwachsenen mit Asthma eine adäquate und individuell eingestellte antiasthmatische Inhalations-Therapie (insbesondere auch eine ICS-Therapie) nicht aus diesem Grund zu ändern oder gar zu beenden. Die Gefahr, dass sich das Asthma dadurch in bedrohlicher Weise verschlechtert und (ansonsten unnötige) Arztbesuche oder Krankenhaus-Aufenthalte erforderlich macht –einschließlich möglicher Kontakte mit COVID-19-Patienten –sei für den einzelnen Asthma-Patienten wesentlich bedrohlicher als ein mögliches, gleichwohl unbelegtes Risiko einer Förderung der Ansteckung mit dem Coronavirus (SARS-Cov-2). Eine erfolgreiche Inhalationstherapie bei Patienten mit Asthma sollte daher auch und gerade in der aktuellen Coronavirus-Pandemie unverändert fortgesetzt werden.“

 

Ibuprofen und Covid-19

Ibuprofen und Covid-19 (Corona)

Vor einigen Tagen kursierte in den sozialen Medien die Meldung, die Uni Wien habe in einer Studie herausgefunden, dass Ibuprofen bei Coronavirusinfektionen gefährlich sei. Diese Meldung wurde von der Uni Wien dementiert.1

Seit dem 17.03.2020 wird in vielen Medien ein Sprecher der WHO zitiert, der von Ibuprofen ohne ärztliche Rücksprache abrät (Welt, Süddeutsche uvam.).2

Zwar gebe es keine neuen Studien, aus denen hervorgehe, dass Ibuprofen mit höherer Sterblichkeit verbunden sei, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier am Dienstag in Genf. Aber die Experten prüften die Lage zur Zeit. „Wir raten, im Verdachtsfall Paracetamol und nicht Ibuprofen einzunehmen“, sagte Lindmeier. Dies beziehe sich ausschließlich auf die Einnahmeohne ärztlichen Rat, betonte er.“3

Wissenschaftlicher Hintergrund:
Als mögliche Quelle dieser Information wird wiederholt ein Artikel aus der Fachzeitschrift „The Lancet“ zitiert. In diesem Artikel wird erklärt, dass der Rezeptor, der den Viren den Eintritt in die Zelle ermöglicht (ACE2) unter anderem durch Ibuprofen hochreguliert werden soll. Der Zusammenhang ist in diesem Artikel aber nicht nachgewiesen, des Weiteren ist die beschriebene Fallzahl sehr gering.4

Auch die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker(AMK)sieht diesen Artikel kritisch: „Dieses Statement wurde nicht durch Daten oder eine Referenz belegt. Recherchen der AMK ergaben, dass zu dieser Hypothese bislang keine publizierten Arbeiten vorliegen“5

Die Arzneimittelkommission kommt daher zu dem Schluss: „Es gibt daher derzeit keinerlei Hinweise, neben Paracetamol nicht auch Ibuprofen zur Fiebersenkung auch bei an COVID-19 Erkrankten einzusetzen“.6

Quellen:

  1. https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/detailseite/2020/news-im-maerz/angebliche-forschungsergebnisse-der-wiener-uniklinik-rund-um-das-covid-19-virus-und-ibuprofen-sind-fake-news/(14.03.2020)
  2. DPA
  3. http://webtv.un.org/watch/player/6142235425001(UN Press Briefing, Christian Lindmeier fort he WHO)
  4. Fang et al., „Are patients with hypertenstion and diabetes mellitus at increased risk for COVID-19 infection?“, The Lancet Respiratory Medicine, March 11, 2020
  5. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/03/18/who-ibuprofen-nicht-ohne-aerztlichen-rat/chapter:2
  6. https://www.abda.de/fuer-apotheker/arzneimittelkommission/amk-nachrichten/detail/13-20-informationen-der-institutionen-und-behoerden-amk-covid-19-und-therapie-mit-ibuprofen-bzw-ace-hemmern-sartanen/(17.03.2020)

 

(Pädiatrische) Diabetologie

DDG Pressemeldungen
02.03.2020

Neues Coronavirus SARS-CoV-2: Kein erhöhtes Infektionsrisiko für gesunde Diabetespatienten -DDG rät zu einer guten Blutzuckereinstellung und empfohlenen Hygienemaßnahmen

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)empfiehlt Menschen mit Diabetes eine stabile Blutzuckereinstellung. Dadurch werde das Infektionsrisiko minimiert.Bei Diabetes ist für den Krankheitsverlauf bei Infektionen eine gute Blutzuckereinstellung hilfreich. „Auch im Falle einer Infektion mit dem bislang noch wenig erforschten Coronavirus SARS-CoV-2 gehen wir –analog zur Influenza –davon aus, dass man mit einem ausgeglichenen Stoffwechsel das Risiko für Komplikationen reduzieren kann“, betont DDG Mediensprecher Professor Dr. med. Baptist Gallwitz.

(eigene Anm. bzgl Begleit –und Folgeerkrankungen sowie Organschädenund hierbei evtl erhöhtes Risiko schwererer Verläufe: diese spielen bei Kindern-und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 keine Rolle)

Lieferengpässe bei Diabetesmedikamenten müssen Patienten nicht befürchten. „Diabetesmedikamente wie Insulin werden vorwiegend in Deutschland, USA, Dänemark, Frankreich, Großbritannien –nicht jedoch China –hergestellt“, berichtet Kellerer. Von einer Medikamentenknappheit für Diabetespatienten ist auch künftig nicht auszugehen. Die Ärztliche Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I am Marienhospital in Stuttgart rät daher davon ab, große Vorräte an Medikamenten und Diabetesutensilien, die über die Versorgung von einem Quartal hinausgehen, für sich selbst zu bevorraten.

 

Intensivmedizin

Empfehlungen zurintensivmedizinischen Therapievon Patienten mit COVID-19

Stefan Kluge1,2,5,6 · Uwe Janssens1,2,5 · Tobias Welte3,5 · Steffen Weber-Carstens4,5 ·Gernot Marx2,4,5 · Christian Karagiannidis1,2,5

  1. Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), Berlin, Deutschland
  2. Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv-und Notfallmedizin (DIVI), Berlin, Deutschland
  3. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Berlin, Deutschland
  4. Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), Nürnberg, Deutschland
  5. ARDS Netzwerk Deutschland, Berlin, Deutschland
  6. Klinik für Intensivmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, DeutschlandS
  • Leitsymptomen sind Fieber und Husten.
  • Im Labor findet sich oft eine Lymphopenie, bei einem Dritten der Patienten eine Leukopenie. Prokalzitonin ist normal, CRP häufig erhöht. Thrombopenieund LDH Erhöhung sind mit einem schlechten Verlauf assoziiert.
  • Im Röntgen finden sich oft bilaterale Infiltrate
  • Ärztliche Kontakt nur mit Kittel, Handschuhe, FFP-Maske und Schutzbrille-Keine spezifische Therapie empfohlen.
  • Es hat Therapie-Versuche mit Hydroxychloroquin, Lopinavir/Ritonavir, Camostat, Remdesivir. Keine klare Evidenz dafür, individuell entscheiden.
  • Keine routinemäßige Gabe von Steroiden außer Hydrocortison bei septischem Schock
  • Keine prophylaktische Antibiotikatherapie
  • Beachten, dass High Flow Nasal Cannula und CPAP eine Aerosolbildung verursachen
  • Keine übermäßige Flüssigkeitszufuhr wegen des Risikos einer Lungenödem

 

Kinderkardiologie

Quelle: Stellungnahme der DGPK (Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Kardiologie) bezüglich der Coronavirus Epidemie in Deutschland (Stand 16.06.2020)

  • Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind nach aktuellen Informationen nicht besonders gefährdet, die meisten Infektionen verlaufen gerade bei den jungen Patienten sehr mild. Die von Erwachsenen bekannten Risikofaktoren (z.B. Herzerkrankungen und Bluthochdruck) sind nicht auf das Kindesalter übertragbar. Es ist daher, wie bei anderen Infektionserkrankungen auch, generell Vorsicht geboten, ein Grund zur Panik besteht nicht.
  • Sehr wahrscheinlich ist das Risikoprofil der Coronavirusinfektion für die Gruppe der Kinder und Jugendlichen mit angeborenen Herzfehlern mit dem von RS-Viren vergleichbar. Hierzu gehören Säuglinge mit noch unkorrigierten Herzfehlern, Kinder mit bedeutsam vermehrtem oder vermindertem Lungenblutfluss oder Kinder mit chronischer Herzinsuffizienz, pulmonaler Hypertonie und Patienten mit einer Immunschwäche (transplantierte Patienten, DiGeorge Syndrom etc.)
  • Obwohl eine Infektion mit Coronaviren sehr wahrscheinlich keine schwerwiegende Erkrankung hervorrufen wird, sollten auch Patienten mit angeborenen Herzfehlern versuchen, sich vor einer Infektion zu Schützen.Wichtigste Schutzmaßnahmen sind die aktuell allgemein empfohlenen Hygienemaßnahmen (u.a. mehrfach tägliches Händewaschen, Größere Menschenmengen meiden, Abstand von möglicherweise Erkrankten halten, Verwendung von Einmaltaschentüchern, Niesetikette)

Sollten Sie bei sich oder Ihrem Kind einen begründeten Verdacht auf eine Infektion haben oder krank sind (Grippesymptome wie Fieber, Husten etc.) so bleiben Sie bitte zuhause und vermeiden den Kontakt mit Gesunden, öffentliche Verkehrsmittel oder Menschenansammlungen. Kontaktieren Sie Ihren Haus-oder Kinderarzt telefonisch, fahren

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